Präferenztests zur Strebetendenz-Theorie

Die Strebetendenz-Theorie des Musiktheoretikers Bernd Willimek gibt die erste nachvollziehbare Antwort auf die Frage nach dem emotionalen Empfinden von Musik. Sie wurde 1998 im Tonkünstler-Forum Baden-Württemberg veröffentlicht und steht seitdem unwiderlegt da.

Im Gegensatz zur rein statistisch ausgerichteten Musikpsychologie des Mainstream, die zur Musik lediglich pauschale Aussagen treffen kann, argumentiert die Strebetendenz-Theorie direkt am musikalischen Material und trifft ihre Aussagen in Korrelation zu den harmonischen Abläufen des musikalisch Erklingenden. Grundaussage der Strebetendenz-Theorie ist, dass Musik "per se" keine Emotionen erzeugen kann. Vielmehr identifiziert sich der Musikhörer mit Willensvorgängen, die er emotional deutet. Durch Beschreibungen von Interaktionen musikalisch gehörter und erwarteter Harmonien stellt die Strebetendenz-Theorie hierfür das System. Auf dieser Basis können auch kompliziertere musikalische Harmonien und Harmonieverbindungen emotional gedeutet werden.

Um die Korrelation von musikalischen Harmonien und Emotionen auch quantitativ zu erfassen, entwickelten Bernd und Daniela Willimek zwei musikalische Präferenztests, die mit über 2000 Probanden aus vier Kontinenten durchgeführt wurden: den so genannten "Rocky-Test", ein musikalisches Märchen mit dem Titel "Dornröschen und Prinz Rocky", bei dem zu acht emotional belegten Szenen die Hintergrundmusik als passend zur Szene ausgewählt werden soll, und den Basis-Test. Dieser erfasst mit sparsamsten musikalischen Mitteln (Intervalle, Tonfolgen, kurze Kadenzen) die Präferenzen der Probanden. Die musikalischen Parameter sind dabei bewusst auf ein Minimum reduziert, um eine möglichst objektive Einschätzung des angebotenen musikalischen Klangs durch den Probanden zu gewährleisten.

Die folgende Hörprobe ist die erste Szene aus dem Rocky-Test. Hier wird das zauberhafte Flair der wachsenden Dornenhecke um das Dornröschenschloss thematisiert. Als zur Szene passend wurde dabei von den Probanden ein Musikbeispiel favorisiert, dem sie offenbar eine wunderartige, zauberhafte Stimmung entnommen hatten. Sie können sich davon einen klingenden Eindruck verschaffen, indem Sie sich hier diese Szene anhören. Sie hören denselben Text zweimal gesprochen, jedoch mit unterschiedlicher Musikuntermalung. Welche Musik hätten Sie als passend ausgewählt?

Die auffallend hohe Übereinstimmung der Probanden von über 86% beim Rocky-Test und über 92% beim Basis-Test korreliert mit den Beschreibungen der beim Test verwendeten Harmonien und ihrer emotionalen Wirkung, wie sie die Strebetendenz-Theorie herleitet.

Der Entwicklung dieses Tests, der primär zur Verwendung in Schulklassen konzipiert ist, gingen umfangreiche harmonische Analysen von Liedern der Komponisten Schubert, Schumann und Wolf, Studien der französischen Impressionisten Debussy und Ravel sowie Untersuchungen von Werken der Pop-, Rock- und Filmmusik voraus. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse über den Einsatz bestimmter musikalischer Harmonien - etwa an textlich relevanten Passagen einer Komposition - korrelieren ebenfalls mit der Aussage der Strebetendenz-Theorie.

Die Tests und ihre Ergebnisse finden Sie in der Publikation "Musik und Emotionen - Studien zur Strebetendenz-Theorie" (2011), die 2013 unter dem Titel "Music and Emotions - Research on the Theory of Musical Equilibration" ins Englische übersetzt wurde. Beide Versionen können kostenlos heruntergeladen werden, hier die deutsche und hier die englische Fassung.

Dazu erschienen zahlreiche Medienberichte in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Klicken Sie hier, um zu den Medienberichten zu gelangen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass durch die Strebetendenz-Theorie ein neuer Weg für die musikpsychologische Forschung angezeigt ist.